Wasser hinter Beifahrersitz gelaufen

  • Hallo Freunde,

    hier mal mein neuestes Erlebnis. Als meine Freundin und ich vor zwei Monaten nach Italien gefahren sind, um eine schöne Zeit zu haben, kam mir die grandiose Idee, einen 10-Liter-Kanister mit Wasser hinter den Fahrersitz zu klemmen. Auf den ersten Blick war das ein super brauchbares Teil mit eingebautem Wasserhahn, den ich beim China-Händler meines Vertrauens für teures Geld erworben hatte. Mein Gedanke war: Mensch, das ist doch toll, wenn wir uns unterwegs mal frischmachen oder die Hände waschen können.

    Wir sind also nach Italien gefahren und hatten einen super Urlaub. Den Kanister haben wir natürlich kein einziges Mal gebraucht oder angefasst. Wieder zu Hause angekommen, stelle ich beim Ausräumen des Autos fest: Der Kanister ist komplett leer. Komisch, dachte ich mir noch. :) Als ich dann gesehen habe, dass der Schraubverschluss einen winzigen, aber fatalen Riss hatte und der komplette Teppich im Fußraum klatschnass war, wusste ich: Das könnte Probleme geben. Ich habe also erst mal alles gelüftet und mit dem Föhn getrocknet. Das Auto lief danach auch einwandfrei.

    Eine Woche später steige ich morgens ein und mich erwartet eine lustige, blinkende Welt voller Fehlermeldungen. Jackpot, nichts ging mehr. Der Motor sprang zwar an, aber ich konnte den Automatikwählhebel keinen Millimeter mehr bewegen. Also dachte ich mir: Scheiß drauf, ich reiß den Teppich raus. Und mit "reißen" meine ich wirklich reißen – da VW ja wohl nicht mehr alle Latten am Zaun hat und der komplette Teppich ein einziges, riesiges Teil ist. Mir egal, mein Touareg ist ein Arbeitsauto und hat schon über 370.000 km gelaufen, da war es einfach Zeit, das Teppichmesser anzusetzen.

    Es stellte sich heraus: Der Teppich war von oben zwar trocken, aber darunter befand sich eine wunderbare Schaumstoffwelt, die noch komplett vollgesaugt mit Wasser stand. Na ja, das Zeug war jetzt raus, also egal. Die Kabel, die unter dem Fahrersitz verlaufen, waren mit so einem tollen Gewebeband umwickelt, das natürlich auch komplett nass war. Dieses Gewebeband und die Kabel sollten später noch eine ganz besondere Rolle spielen.

    Nachdem ich nun wieder alles mit dem Föhn trocken hatte, änderte sich am Zustand des Kfz leider überhaupt nichts. Fehler immer noch da, Motor läuft, aber der Automatikhebel rührt sich nicht. Meine zweite Idee war: "Okay, das Wasser ist weg, die Fehler sind wohl einfach noch im Steuergerät hinterlegt." Da man bei diesen hochmodernen Elektronik-Kisten ja ohne PC nichts mehr machen kann, habe ich mir ein Diagnosetool gegönnt, das dann nach einer Woche auch da war. Angeschlossen, ausgelesen – und direkt 15 Fehler gefunden. Da war wirklich alles dabei: Bremssteuergerät defekt, Lenkwinkel-Sensor defekt... das volle Programm.

    Ich war bedient und wollte das Auto nur noch in die Werkstatt bringen, die bei mir im Dorf zum Glück nur zwei Straßen weiter ist. Auf YouTube habe ich dann ein Video gefunden, das mir die Geheimnisse der manuellen Notentriegelung der Automatik-Sperre erklärt hat. Meine Fresse, VW, wie kann man so was bitteschön bauen?! Ich habe es irgendwie hinbekommen und das Auto stand endlich in der Werkstatt. Den Jungs dort habe ich alles haarklein erklärt: was passiert ist, was ich bisher gemacht habe und so weiter.

    Nach einer ganzen Woche kommt der Anruf aus der Werkstatt. Zitat: „Ja also, ich habe mit einem Spezialisten von VW telefoniert und der meinte, das Auto ist hin, wirtschaftlicher Totalschaden. Ähm... sollen wir trotzdem anfangen, den zu zerpflücken und mal zu schauen?“

    Schon klar, dachte ich mir. Ich hol mein Auto wieder ab und probiere selbst mein Glück. Entweder ich krieg es hin oder ich verkauf die Kiste halt als Bastlerfahrzeug.

    Ich habe also angefangen, wirklich alles rauszureißen: Fahrersitz, restlicher Teppich, Rückbank, Steuergerät... Kurze Zwischenfrage an dieser Stelle: Was ist eigentlich bei VW los? Haben die da irgendeinen Fetisch und dachten sich: „Komm, lass uns mal schauen, wie viele verschiedene Steckervariationen wir in ein einziges Auto packen können! Und als Kirsche obendrauf verbauen wir die Stecker erstens so unzugänglich wie möglich und machen zweitens aus jedem Stecker ein eigenes kleines Rätsel, wie man es überhaupt entriegelt.“?

    Na ja, am Ende war alles trocken. Ich habe dann im Internet noch einen Hinweis gefunden, dass im Kabelbaum unter dem Fahrersitz teilweise Verbinder liegen, die bei einem Wasserschaden anfangen zu gammeln.

    Und jetzt passt gut auf, Freunde!

    Ich habe das komplette Gewebeband vom Kabelbaum von vorne bis hinten abgewickelt. Was ich da gesehen habe, ist absolut unfassbar: Da waren an mehreren Stellen Drähte miteinander verpresst – komplett OHNE Schrumpfschlauch oder sonst irgendeine Isolierung! Einfach nur mit diesem ekligen Gewebeband umwickelt. Ja logisch, dass da Kurzschlüsse entstehen, sobald da Wasser reinläuft! VW, what the fuck?!

    Ich habe also alle Stellen vernünftig isoliert, mit Schrumpfschläuchen versehen und wieder ordentlich verpackt. Alles zusammengebaut – und siehe da: Das Auto läuft absolut ohne Probleme! Es waren zwar noch Fehler im Speicher, aber den größten Teil konnte ich selbst löschen.

    Echt Leute, was denkt sich VW eigentlich dabei? Und vor allem: Gibt es überhaupt noch gute Handwerker und Werkstätten? Wenn ja, wo sind die und warum arbeiten in den Werkstätten gefühlt nur noch Teiletauscher?

  • coala 12. Juli 2026 um 18:05

    Hat den Titel des Themas von „Wasser hinter Beifahrerschitz gelaufen“ zu „Wasser hinter Beifahrersitz gelaufen“ geändert.