Servus Peter,
wenn man das Facelift mit dem vergleicht, was Porsche nun relativ zeitgleich beim Cayenne macht und BMW beim X5, dann ist das in der Tat nur wenig (technische) Veränderung. Das war aber schon klar, dass sich hier keine großartigen Neuerungen ergeben werden und bei den Verbrennern auch keine Leistungssteigerungen kommen.
Immerhin wurde das HD-Matrixlicht nicht auch noch zusammengestrichen, da darf man schon froh sein. Schön ist immerhin, dass man die bei vielen Fahrzeugen elend knarzende Mittelkonsole endlich modifiziert hat und das Hartplastik in diesem Bereich nun durch besseres Material ersetzt.
Auch die Doppelnähte an den Türen finde ich schön. Beim Innenraum hat man sich - zumindest vorne wieder - schon ins Zeug gelegt und das Interieur noch weiter aufgewertet. Sowieso finde ich das Cockpit des CR in Verbindung mit den Rautensteppungen in den Türverkleidungen beim "R" und den Sondermodellen eine sehr gelungene Kombination aus perfekter Ergonomie und Wohlfühlzone. Das mag Geschmackssache sein, aber ich freue mich immer wieder darüber, wenn ich mich in meinen "One Million" setze.
Leider hat man es versäumt eine vernünftige Topmotorisierung zurückzuholen, so dass der Touareg nun gegenüber der Konkurrenz aus dem Hause Audi, BMW, Porsche und Mercedes mit ihren Achtzylindern ziemlich im Abseits steht. Die unglückliche Kombi beim "R" als PHEV, dass just hier keine Wankstabilisierung und keine Allradlenkung verfügbar sind, setzt dem leider noch eins drauf. Wer das mal gefahren ist und dann in einem Touareg ohne diese beiden Features unterwegs ist, dem wird schnell klar, dass man das Auto nicht mehr "ohne" haben möchte. Hätte man mal bloß das Geld in die Hand genommen, die paar Bauteile modifiziert und das wieder eingerüstet, so wie es Porsche und Audi ja auch gemacht haben.
Ich sehe das natürlich als erklärter Fan des Touareg mit einem weinenden Auge, dass man sich bei den Motoren nicht entschließen konnte, wieder eine wirklich souveräne Motorisierung anzubieten. In meinen Augen ist das ja auch eine Imagefrage für viele Kunden. Denn jeder, der sich mit einem SUV dieser Größe bereits im Vorfeld einer Anschaffung beschäftigt hat, der weiß dann natürlich, dass beim Touareg Facelift bestenfalls 340 echte PS aus sechs Zylinder zzgl. ein paar - nur zeitlich begrenzt nutzbarer - E-Pferde zur Verfügung stehen.
Mit dem tollen und sparsamen V8 TDI spielte der CR eine Zeitlang in der gleichen Klasse, ohne dass er dadurch zum Säufer wurde. Nun gibt es halt nur noch "Standard". Das mag vielleicht zunächst vernünftig erscheinen und vielen unwissenden Öko-Fritzen eine Genugtuung sein, aber denen ist halt auch weder gewahr, dass der V6 TDI ein hoch effizienter Motor ist, der selbst im Touareg weniger verbraucht als viele Mittelklasse-Benziner, noch dass der V8 TDI nur einen halben Liter mehr Sprit in der Praxis braucht.
Man kann dem Entwicklungsteam aber keine Vorwürfe machen, es ist ja nicht so, dass die das nicht alles selber gerne hätten. Da heißt es eben von oben "bekommt ihr nicht, Budget wird gesprengt" und fertig. Hat sich halt auf Vorstandsebene die letzten Jahre etliches verändert, was meines Erachtens bei einigen Entscheidungen nicht recht zum Modell Touareg passt. Und das gilt durchaus, wenn nicht sogar speziell, im Bereich einer adäquaten Kundenbetreuung, von der leider nicht mehr viel (Gutes) übrig geblieben ist.
Ich denke, es ist einfach - zumindest aktuell - eine interne Entscheidung, dass man "Premium" den anderen Marken im Konzern überlässt. Das hat sich ja auch schon die letzten Jahre so abgezeichnet mit Spitzfindigkeiten, dass z.B. ein Audi SQ8 435 Diesel-PS bekommt, der Touareg mit dem gleichen Motor aber "nur" 421. Beim Vorgänger V8 TDI waren es eben 340 PS, im Cayenne dann zeitgleich 382 bzw. 385 PS. Also bitteschön immer schön ein bisschen Anstands-Abstand zu den anderen Marken halten, man agiert als Marke VW ja neuerdings bescheiden. Da wird man sich wohl daran gewöhnen müssen, dass die seinerzeitige Sichtweise zum Touareg bei Volkswagen eine Wendung erfahren hat.
Trotzdem ist der CR mit seinem Innovision-Cockpit und dem gelungenen, sehr ergonomischen Cockpit in meinen Augen nach wie vor erste Sahne. Audi und Porsche haben dem aktuell nichts entgegenzusetzen. Speziell bei Mercedes hat man allerdings alles andere als geschlafen und auch BMW holt da mächtig auf.
So ist der Touareg nun eben dezentes, noch am besten sozialverträgliches Understatement. Ausgestattet mit einem tollen Infotainment, tadelloser Ergonomie, schönem Interieur und keinen echten Schwächen. Aber eben auch nur noch mit Motorisierungen zu haben, bei denen die Mitbewerber deutlich mehr zu bieten haben, als einen immer noch mit ausgeprägter Anfahrschwäche geplagten V6 TDI oder einen wenig souverän wirkenden und durstigeren V6 TFSI.
Für die letzten vier Jahre des Modellzyklus hält man das vermutlich für ausreichend und ich vermute sogar, dass sich das Facelift zumindest am Anfang gut verkaufen wird, denn optisch gefällt mir der Touareg nach wie vor am besten, er sieht immer noch topmodern aus. Auch auf Langstrecken macht er eine gute Figur, aufgewertet durch das neue IQ.Light sogar nun bei Nachtfahrten noch mehr. Das wird vielen Käufern auch sicher reichen, die eben gar nicht mehr Motorleistung haben und bezahlen möchten.
Ich selber bin ja auch der Meinung, dass die 286 PS absolut ausreichend sind. In meinem 2018er CR hat mir das immer völlig gereicht. Wäre da bloß nicht die elende Antrittsschwäche und das mittlerweile auch noch weiter angehobene Drehzahlniveau, kombiniert mit sofortigem hektischen Zurückschalten schon beim leisesten Beschleunigungswunsch. Das passt einfach nicht zu einem Fahrzeug dieser Preisklasse - und genau das sehen natürlich auch andere Kunden ähnlich. Spätestens dann, wenn an der Ampel oder im Kreisverkehr jeder Kleinwagen mit einer Motorisierung im zweistelligen PS-Bereich flotter ist.
Trotzdem: Schönes Auto und nun noch gefälliger, auch beim Infotainment und bei etlichen Kleinigkeiten. Die Motor-Sache muss jeder selber entscheiden, da gehen eben die persönlichen Anforderungen auseinander.
Grüße
Robert